Hotel Adlon

Das Adlon. Eine Familiensaga

Eine Zeitreise – Jahr 2012

Der Kaiser als Gast

Zwar sollte sich im Adlon jeder Gast wie ein Kaiser fühlen, doch sicher brachte man Kaiser Wilhelm II. besondere Aufmerksamkeit entgegen. Vor allem, weil Wilhelm II. schon bei der Baugrundbeschaffung geholfen hatte und das Hotel-Projekt auch finanziell unterstützte.

Besondere Behandlung

Angeblich war des Kaisers Engagement nicht ganz selbstlos: Die Räume seines Schlosses sollen kalt und zugig gewesen sein. Nun konnte sich Wilhelm II. bei Bedarf in die luxuriösen und behaglichen Zimmer des Adlon zurückziehen.

Leben wie im Adlon

Nicht nur gekrönte Häupter aus Deutschland, sondern Herrscher aus aller Welt stiegen im Adlon ab, darunter etwa der Zar von Russland und der Maharadscha von Patiala - ein Fürstenstaat der Sikh. Offenbar konnte das Adlon selbst den Ansprüchen dieses als reich und exzentrisch bekannten Mannes genügen, denn er wird mit den Worten zitiert „Wer das Adlon nicht kennt, kennt Deutschland nicht.“ Was auch immer der Maharadscha sich unter Leben in Deutschland so vorstellte - jedenfalls soll er die komplette vierte Etage des Adlon mit gut fünfzig Zimmern in Beschlag genommen haben.

Crème de la Crème

Neben reichen Geschäftsleuten wie Automobilhersteller Henry Ford (Foto) oder Erfinder und Unternehmer Thomas Alva Edison, Politikern wie Walther Rathenau und Gustav Stresemann waren es auch viele Künstler, die das Adlon nutzten um hier zu logieren, Kontakte zu pflegen oder bekannt zu werden.

Die Liste reicht von Enrico Caruso über Greta Garbo, Josephine Baker bis hin zu Thomas Mann und Richard Strauss.

Eine Neuentdeckung

Marlene Dietrich wurde angeblich im Adlon entdeckt: Schauspieler Emil Jannings soll sich bei Louis Adlon beklagt haben, dass für seinen neuen Film noch keine Hauptdarstellerin gefunden werden konnte. Adlon soll ihm den Tipp gegeben haben, sich einmal eine Revue mit der Dietrich anzusehen …

Verehrt und ohne Hose

Charlie Chaplin hat im noblen Adlon beinahe seine Hose verloren: Begeisterte Berliner Fans hatten ihm die Knöpfe seiner Hosenträger abgerissen …

Not macht erfinderisch

Wer (noch nicht) reich und berühmt war, musste sich andere Wege suchen, um Teil des Adlon-Kosmos zu werden: Vor seiner Karriere als Regisseur arbeitete Billy Wilder als Journalist und interviewte die prominenten Gäste im Adlon. Zudem soll er allein stehenden Damen als Eintänzer gedient haben.

Ein Eis zuviel

Peter Frankenfeld, der später als Fernseh-Moderator berühmt werden sollte, arbeitete im Adlon. als Page. Doch seine Hotel-Karriere nahm ein jähes Ende, als er erwischt wurde, wie er ein kleines Stück von einer Eisbombe naschte. Frankenfeld musste die Torte ganz aufessen, bevor er mit Schimpf und Schande rausgeschmissen wurde.

Aufrechter Beschützer

Auch Hans Albers war Gast im Adlon. Er hatte im Restaurant beinahe einmal eine Schlägerei mit einem SA-Mann angefangen, der sich über Albers jüdische Freundin Hansi Burg mokiert hatte.

Braun gegen Blau

Obwohl das Adlon nicht die bevorzugte Residenz der Nazi-Schergen war, verkehrten dort immer wieder Mitglieder und Amtsträger der NSDAP. Zu ihnen gehörte auch Reichsjugendführer Baldur von Schirach, der eine tiefe Abneigung gegen die Farbe Blau hegte. Deshalb wurde aus seinem Zimmer stets alles blaue entfernt - von den blauen Postermöbeln bis zum blauen Bleistift.

40 auf einen Streich

Nicht wenige Adlon-Gäste reisten mit großem Gepäck, aber wohl nur wenige mit so großem wie - der Legende nach - die spanische Tänzerin La belle Otero: Neben ihren fast 40 Koffern brachte die Dame angeblich auch zwei Möpse, einen Papagei, ein Perlhuhn und eine Katze mit ins Hotel. Nicht bekannt ist, ob alle Tiere den Aufenthalt im Adlon überlebt haben. Doch auch für weniger exzentrische Gäste galt: Wer ins Adlon ging, kam auch um aufzufallen.

Just a Gigolo

Der Liebeskummer des Baron Lasotto soll den Dichter Julius Brammer zu dem Liedtext von „Schöner Gigolo, armer Gigolo“ inspiriert haben. Gigolos gab es übrigens reichlich im Adlon. Es soll Hedda Adlon gewesen sein, die nach 1918 verarmten Adeligen und Offizieren mit diesem Job ein Auskommen verschaffte.

Die Eröffnung

Das Adlon wurde am 24. Oktober 1907 eröffnet und war bis in die 1940er Jahre hinein gesellschaftlicher Mittelpunkt der Stadt. Hier verkehrten Adel, Politiker, Geschäftsleute, Künstler, es gab glanzvolle Feste, Fünf-Uhr-Tees und Modenschauen.

Das erste Haus am Platz

Dass das Adlon zum Treffpunkt der Reichen und Mächtigen wurde, hat das Haus natürlich auch seiner exquisiten Lage zu verdanken: Berlin, Unter den Linden, mit Blick auf den Pariser Platz und das Brandenburger Tor. Der Reichstag, aber auch viele Botschaften lagen in unmittelbarer Nähe, so wurde das Adlon schnell zur Nachrichtenbörse.

Schlicht aber teuer

Der Bau des Adlon kostete mehr als ein kleines Vermögen: Rund 17 Millionen Goldmark soll Lorenz Adlon investiert haben - das wären heute rund 350 Millionen Euro. Trotzdem wirkte das Adlon von außen eher schlicht: kein palastähnlicher Prunkbau, sondern klare Linien dominierten.

Luxus pur

Hinter der eher schlichten Fassade des Adlon verbarg sich Luxus pur. Es gab eine riesige Lobby und Gesellschaftsräume für jeden Anlass: Restaurant, Rauchersalon, Damenzimmer, Musiksalon, Wintergarten, Bibliothek und natürlich ein Ballsaal. Die Einrichtung war üppig- barock: Blattgold, Mosaike, Deckengemälde … Ein großer Teil der Möbel stammte von der Mainzer Firma Bembé, bei der Lorenz Adlon einst den Tischlerberuf lernte.

Auf neustem Stand

Auch technisch war das Haus weit vorne: Es gab ein hoteleigenes Elektrizitätswerk und es soll nur zwei Minuten gedauert haben, um eine Badewanne mit Wasser zu füllen.

Geldquelle

Obwohl Lorenz Adlon sich für den Bau des Adlon hoch verschulden musste, dauerte es nur gut zwei Jahrzehnte, bis er finanziell sorgenfrei war. Denn das Adlon wurde schnell DIE Adresse in Berlin. Der Adel der Kaiserzeit verkaufte seine Palais in Berlin um nun im Adlon zu residieren. In den 1920er Jahren kamen viele amerikanische Geschäftsleute, aber auch Künstler und Politiker. Fast zwei Millionen Besucher soll das Adlon zwischen 1925 und 1930 begrüßt haben. Mit der Machtergreifung der Nazis wurde es etwas ruhiger – denn viele ausländische Touristen blieben jetzt fern.

Kein Wunsch bleibt unerfüllt

Im Adlon konnte man (fast) alles speisen, selbst wenn es nicht auf der Karte stand: So soll der französische Außenminister Aristide Briand einmal Sauerkraut verlangt haben, das die Adlon-Küche nicht vorrätig hatte. Angeblich wurde das Kraut schnell in einer Eckkneipe geholt und mit einem guten Schuss Champagner verfeinert.

Deutsche Schlichtheit

Im Adlon passte man sich nicht nur den oft sehr speziellen Wünschen der Gäste, sondern auch den Zeiten an. So änderte sich in der Nazi-Zeit die Speisekarte: die wohlklingenden französischen Bezeichnungen wichen deutscher Schlichtheit und aus dem raffinierten „Ragout“ wurde „Würzfleisch“.

Vom Hotel zum Lazarett

Für die Nationalsozialisten war das Adlon nicht unbedingt das erste Haus am Platz - vielleicht gerade wegen der vielen internationalen Gäste, die dort verkehrten. Sie bevorzugten den Kaiserhof, der aber 1943 bei einem Bombenangriff zerstört wurde. Das Adlon blieb bis zum Mai 1945 unbeschädigt und wurde - als der Krieg das private Reisen endgültig unmöglich machte - als Lazarett genutzt.

Edel geht die Welt zugrunde

Während Berlin schon bombardiert wurde, durfte im Adlon noch diniert werden. Ein wohlklingender Gong warnte die Gäste im Alarmfall, und man traf sich im hauseigenen Bunker.

Der Brand

In der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1945 brannte das Adlon aus - warum wurde nie ganz geklärt. Gerüchten zufolge hatten russische Soldaten einen Brand im Weinkeller ausgelöst. Nur ein Seitenflügel blieb stehen, der noch bis in die 1980er Jahre als Hotel und Unterkunft für Lehrlinge genutzt wurde. 1984 wurde er abgerissen.

Kempinski kauft Adlon

Schon in den 1950er Jahren hatte Hedda Adlon das Vorkaufsrecht für das Grundstück, auf dem das Adlon stand, der Kempinski AG überlassen. 1997 wurde dort das neue „Hotel Adlon Kempinski Berlin“ eröffnet.

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